Treffen der Kooperationspartner von spuren-sichtbar-machen.de in Dortmund 

Anfang letzten Monats trafen sich die Kooperationspartner des Projektes spuren-sichtbar-machen.de zu einem gemeinsamen Austausch in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Dortmund.  

Das Projekt wird getragen und umgesetzt von der ada.kreis-höxter (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.) und fachlich unterstützt von ADIRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Jüdischen Gemeinde Dortmund), SABRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf) sowie RIAS NRW (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen). 

Das Projekt existiert seit Anfang 2023 und hat zum Ziel, judenfeindliche Objekte und Darstellungen an Kirchen und christlichen Einrichtungen zu dokumentieren und zu kontextualisieren. Auf diese Weise sollen visuelle Spuren der langen Geschichte des christlichen Antijudaismus sichtbar gemacht und aufgearbeitet werden. Auf der Webseite www.spuren-sichtbar-machen.de wurden hierzu bislang 24 sogenannte Spuren dokumentiert und mit einordnenden Texten versehen. Auf einer interaktiven Karte können diese ausgewählt und betrachtet werden. Daneben werden auf der Seite einführende Texte zu Motiven der christlichen Judenfeindschaft sowie Hinweise auf themenbezogenen Termine und Veranstaltungen veröffentlicht. Die Webseite ist somit ein umfassendes und auch das einzige Portal zur Auseinandersetzung mit antisemitischen Skulpturen, Bildern, Inschriften und Kunstwerken an und in Kirchen in Nordrhein-Westfalen. 

Derzeit liegt der regionale Schwerpunkt der Dokumentation noch weitestgehend in Ostwestfalen-Lippe, doch eine Ausweitung ist absehbar: Durch die Möglichkeit, auf der Webseite entsprechende „Spuren“ zu melden, existieren bislang knapp 70 Hinweise auf judenfeindliche Darstellungen an Kirchen in ganz NRW, teilweise auch in anderen Bundesländern. Doch die Kontextualisierung und das Einpflegen der Texte sowie die Anfertigung von Bildern vor Ort erfordern einen erheblichen Aufwand, sodass es viel Zeit in Anspruch nimmt, alle Meldungen angemessen zu dokumentieren. 

Insofern wurde das Treffen der Kooperationspartner dazu genutzt, sich über den Stand des Projektes auszutauschen und zu überlegen, wie die Arbeit an der Webseite verbessert werden kann. Hierzu zählen auch weiter Öffentlichkeitsarbeit sowie Finanzierungsmöglichkeiten für das Projekt. 

Ein weiteres Thema des Treffens war die Wirkungen von spuren-sichtbar-machen.de: Denn so wichtig die Dokumentation der judenfeindlichen Objekte auch ist, sorgt sie nur in seltensten Fällen für eine gelungene lokale Auseinandersetzung bei der jeweils verantwortlichen Kirchengemeinde oder deren übergeordneten Stellen. Bislang wurde nur eine Spur nach der Intervention des Projekts tatsächlich entfernt. Eine Entfernung muss nicht die einzige Lösung sein: wichtig ist es für die Beteiligten des Projektes, dass über die Dokumentation eine Diskussion über den notwendigen Umgang mit den sichtbaren Spuren des christlichen Judenhasses an Kirchen in Gang gesetzt wird. Zu oft sind die Reaktionen hierauf noch von Abwehr und Bagatellisierung geprägt. 

Wir hoffen, dass in der nächsten Zeit die offene und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Erbe der Judenfeindschaft stärker fokussiert wird und judenfeindliche Objekte nicht mehr unkommentiert in den öffentlichen Raum wirken. Das Projekt spuren-sichtbar-machen.de will durch die Dokumentation und Aufklärung hierzu einen Beitrag leisten. 

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