SABRA im Ausbildungszentrum der Justiz Monschau

Das Städtchen Monschau im äußersten Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze ist überregional bekannt für seine Fachwerkhäuser, die engen Kopfsteinpflasterstraßen und das beschauliche Rurtal. Doch bereits seit 1970 gilt Monschau nicht mehr nur als Kleinod für Tagestouristen: Auch Gerichtsvollziehende und Nachwuchskräfte des Justizwachtmeisterdienstes zieht es nach Monschau. Verantwortlich dafür sind jedoch weder die kriminellen Machenschaften der Monschauer*innen noch der weltbekannte Monschauer Senf, sondern die von den Einheimischen sogenannte „Justizschule“ am Rand der Stadt.  

Hier findet nun bereits seit Jahren die fachtheoretische Ausbildung der oben genannten Berufsgruppen aus verschiedensten Bundesländern statt. Ende 2003 wurde die Einrichtung an die Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen in Bad Münstereifel angeschlossen und bildet seitdem zusammen mit den Standorten Bad Münstereifel und Essen das Ausbildungszentrum der Justiz des Landes Nordrhein Westfalen (AZJ).

Welche Aufgabe hat SABRA bei der Ausbildung von Justizfachkräften? Im Rahmen der Ausbildung, während der die Anwärter*innen intensiv beschult werden, finden auch Workshops zu den Themen „Jüdisches Leben“ und „Antisemitismus“ statt. Seit 2021 führen Mitarbeiter*innen von SABRA diese Workshops in Monschau durch. Musste die allererste Schulungsreihe im Frühjahr 2021 coronabedingt noch digital durchgeführt werden, so reisen seit Herbst 2021 alle sechs Monate SABRA Mitarbeiter*innen für zwei bis drei Tage in die Eifel, um mit den Teilnehmenden der Ausbildungslehrgänge ins Gespräch zu kommen.

Hier wird nicht nur über aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus oder die praktische Anwendung der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus im Bereich der Justiz lebhaft diskutiert, sondern auch jüdische Perspektiven und Lebensrealitäten aufgezeigt. Je nach Lehrgangsgröße nehmen bis zu 30 Personen an einem einzelnen Workshop teil, von denen am Tag in der Regel zwei stattfinden. Auch sind die Workshops integraler Bestandteil der fachtheoretischen Ausbildung im AZJ. Eine positiv stimmende Entwicklung, die nicht zuletzt auf das Engagement der AZJ Geschäftsleiterin und Justizrätin Petra Bausch und das Zentrum für Interkulturelle Kompetenz der Justiz NRW zurückgeht.

In vielen Gesprächen mit den Teilnehmer*innen während und im Nachgang der Schulungen wurde deutlich, dass viele der Anwesenden sich zum ersten Mal überhaupt mit dem Spannungsfeld „Jüdisches Leben in Deutschland“ und „Antisemitismus“ auseinandergesetzt haben. Eine Tatsache, die uns als Mitarbeitende bei SABRA anspornt, immer wieder aufs Neue in den Austausch mit den Nachwuchskräften der Justiz zu gehen. Nicht zuletzt deswegen hat sich die Zusammenarbeit mit dem AZJ Monschau bereits nach zwei Jahren verstetigt und man darf gespannt sein, was aus dieser Kooperation zukünftig noch Weiteres erwachsen wird.

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