„Füreinander streiten – Zukunft gemeinsam gestalten“

„Füreinander streiten – Zukunft gemeinsam gestalten“ – unter diesem Motto stehen die 33. Themenwochen „Erinnerung und Dialog“, die vom 9. März bis zum 30. September in Ahlen stattfinden und vom Ahlener Forum „Erinnerung und Bildung“ veranstaltet werden. Das Forum ist ein Zusammenschluss der Stadt Ahlen (VHS) und der Familienbildungsstätte Ahlen (FBS) mit den örtlichen Kirchen, weiterführenden Schulen und weiteren Akteuren der Ahlener Gesellschaft. Die Themenwochen widmen sich in besonderer Weise der christlich-jüdischen Verständigung. Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur und Geschichte, mit Israel und dem deutsch-israelischen Verhältnis.

Die Themenwochen wurden am letzten Sonntag, den 9. März, mit der Ausstellung „Mahnende Erinnerung – Mahn- und Gedenkorte in Ahlen und Nordrhein-Westfalen“ im Heimatmuseum Ahlen eröffnet. Die Wanderausstellung zeigt Fotografien des kürzlich verstorbenen Dieter Blase. Mit seinen Bildern lenkt der Münsterländer Fotograf den Blick auf zahlreiche Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen und regt zum Nachdenken über die Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an. Ergänzend zu der Fotoausstellung hatte das Heimatmuseum Schüler*innen der Ahlener weiterführenden Schulen dazu aufgerufen, Ahlener Erinnerungsorte zu fotografieren. Die eingereichten Fotografien werden im Heimatmuseum ausgestellt und zeigen das große Spektrum der Ahlener Gedenk- und Erinnerungsorte.

Jürko Ufert, SABRA-Referent für antisemitismuskritische Bildungsarbeit im Schulwesen, war vom Ahlener Forum „Erinnerung und Bildung“ eingeladen worden, um bei der Eröffnungsveranstaltung einen Vortrag zu halten. Im voll besetzten Saal des Heimatmuseums informierte er die Anwesenden über die Arbeit von SABRA und seine Tätigkeit als vom Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen (MSB NRW) abgeordnete Lehrkraft. Jürko Ufert ist zuständig für den Austausch mit und die Sensibilisierung/Qualifizierung von Multiplikator*innen und Kooperationspartner*innen. In seinem Vortrag richtete er den Blick anhand aktueller Untersuchungen auf die virulente Bedrohung von Jüdinnen und Juden durch Antisemitismus – besonders auch im schulischen Kontext: Er wies darauf hin, dass beispielweise die Studie „Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024“, zu dem Ergebnis kommt, dass bis zu 24 Prozent der Befragten antisemitische Einstellungen haben. Auffällig sei, so Jürko Ufert, dass die Gruppe der 16- bis 18-Jährigen besonders israelfeindlich eingestellt ist. Hier sei laut der Studie ein hoher Konsum von Hetzvideos auf Tiktok ursächlich. Deshalb seien Schulen als Mikrokosmos, der den Antisemitismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft spiegelt und als Instanz für Bildung und Erziehung besonders gefordert. Es sei wichtig, so Jürko Ufert, dass die modernen Erscheinungsformen von Antisemitismus unter Betonung des israelbezogenen und des islamischen Antisemitismus in Schulen behandelt, Kenntnisse zum arabisch-israelischen Konflikt und zur Staatsgründung Israels und Kompetenzen im Umgang mit Sozialen Medien im Unterricht vermittelt werden​. Mindestens genauso wichtig sei es aber, Jüdinnen und Juden nicht nur als Opfer von Antisemitismus darzustellen, sondern sich mit dem aktuellen jüdischen Leben und dem Judentum auseinanderzusetzen. Beispielhaft dafür nannte er das Film-Projekt „8 x 2 Jüdische Perspektiven“ und das mobile Escape Room Game „Fixing The Boat – Finding Identity“ von SABRA.

Es sei auch wichtig, so Jürko Ufert, einer Historisierung von Antisemitismus entgegenzuwirken. Wenn Antisemitismus lediglich als Phänomen der Vergangenheit behandelt werde, könne der Eindruck entstehen, mit dem Ende des NS-Regimes sei auch der Antisemitismus verschwunden. Außerdem sei es wichtig, einer Historisierung jüdischen Lebens entgegenzuwirken. Wenn jüdisches Leben lediglich als Phänomen der Vergangenheit behandelt werde, dann kann der Eindruck entstehen, jüdisches Leben gehöre der Vergangenheit an.

Danach stellte Jürko Ufert die Frage „Was tun bei Antisemitismus im schulischen

Kontext?“ in den Mittelpunkt des Vortrags. Bei der Beantwortung beschäftigte er sich nach dem Blick auf Antisemitismus speziell im Schulbereich mit den schulrechtlichen Rahmenbedingungen. Es folgt die für SABRA besonders wichtige Auseinandersetzung mit den jüdischen Perspektiven auf Antisemitismus. An diese vorwiegend theoretische

Analyse schloss Jürko Ufert die Vorstellung hauptsächlich an der Praxis orientierter, konkreter Handlungsempfehlungen für Schulleitungen und Lehrkräfte bei antisemitischen Vorfällen an. Der praktische Teil mündet schließlich in eine kritische Reflexion anhand von Fallbeispielen aus dem SABRA-Beratungsalltag. Der Vortrag endete mit der Präsentation der SABRA-Matrix zum gesamtsystemischen Vorgehen von Schule gegen Antisemitismus.

Nachfragen und Diskussionsbeiträge zeigten, dass die Inhalte des Vortrags auf großes Interesse stießen. SABRA freut sich auf weitere Kooperationen mit dem Ahlener Forum „Erinnerung und Bildung“.

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